In Gedenken an Shlomo Lewin & Frida Poeschke

Gedenkkundgebung in Erlangen am 19.12. um 17 Uhr, Nürnberger Straße Ecke Südl. Stadtmauerstraße

Zugtreffpunkt aus Nürnberg ist um 16:30 Uhr die Mittelhalle des Hauptbahnhofs.

Der Aufruf der Gruppe Antithese:

Vor 36 Jahren, am 19. Dezember 1980 wurde das Paar Shlomo Lewin und Frida Poeschke in ihrem Wohnhaus in Erlangen Opfer eines antisemitischen Attentats. Der mutmaßliche Täter Uwe Behrendt war Teil der rechtsradikalen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (WSG), die im Zusammenhang mit mehreren Terroranschlägen im Nachkriegsdeutschland steht. Der Rabbiner Lewin war Holocaustüberlebender und engagierte sich gemeinsam mit Poeschke öffentlich für den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Franken. Er initiierte die Etablierung einer jüdischen Gemeinde in Erlangen. Auch deswegen wurden sie wohl Ziel des tödlichen Attentats. Nach seiner Ermordung dauerte es bis 1997 bis es wiederum zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in Erlangen kam. Die darauffolgenden Reaktionen von Gesellschaft und Ermittlungsbehörden waren beispielhaft für die Zustände im Post-NS-Deutschland für den Umgang mit rechtem Terror: Fehlender Wille seitens der Polizei Ermittlungen in Neonazikreisen zu führen, die stete Verharmlosung des rechten Terrors der WSG durch die regierende CSU und eine nicht vorhandene Auseinandersetzung oder Anteilnahme charakterisierten die Stimmung in der Bevölkerung und in den Ermittlungsbehörden. Statt sich offen mit antisemitischen Tendenzen und Gewalttaten in der Gesellschaft auseinanderzusetzen wurde in Richtung eines Einzeltäters ermittelt und die Morde gerieten in der öffentlichen Wahrnehmung schnell in Vergessenheit. Gerade wegen der Tabuisierung antisemitischer Äußerungen und Taten in der BRD fand eine umfassende, geschweige denn kritische Auseinandersetzung nicht statt. Vielmehr wurde Antisemitismus, wenn dieser offen zu Tage trat gerade nicht als solcher benannt und damit verharmlost. Ohne einen umfassenden Begriff von Antisemitismus, der auch jeweils aktuelle Entwicklungen integriert, kann kein Bewusstsein von dessen Gewaltpotential entwickelt und seinem Ausmaß etwas entgegengesetzt werden. Das antisemitische Ressentiment ist eben nicht wie zu meist angenommen ein neonazistisches oder islamistisches Phänomen, sondern zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus muss notwendigerweise Teil eines Erinnerns an die Opfer antisemitischer Gewalt sein. Dies bedarf eines kritischen Gedenkens, welches die Umstände in denen solche Taten begangen werden können und deren antisemitischen Charakter mit einbezieht, so wie das staatliche und gesellschaftliche Versagen benennt. Im Unterschied zum staatlichen Gedenken das immer daran interessiert sein muss das Bestehende zu legitimieren, gilt es instrumentelle Formen des Gedenkens auszumachen und zu kritisieren. Für ein tatsächliches Ende von antisemitischer Gewalt bedarf es der Kritik und letztlich der Veränderung der Gesellschaft, in der diese Gewalt angelegt ist. Die Gewalttaten, sowie deren Opfer dürfen nicht vergessen werden.

Deswegen wollen wir am 19.12. Frida Poeschke und Shlomo Lewin gedenken.

Gegen jeden Antisemitismus!


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