Archiv für April 2018

Reihe: Feminismus oder Barbarei

Die Veranstaltungsreihe FEMINISMUS ODER BARBAREI hat einen Hintergrund und ist mit einer Hoffnung verbunden. Der Hintergrund sind die zunehmenden Angriffe auf die gesellschaftlich erkämpften Errungenschaften im Geschlechterverhältnis, die sich weltweit beobachten lassen. Weil wir Feminismus als Basis gesellschaftlicher Emanzipation begreifen, ist es für uns unabdingbar, in diesen Zeiten umso energischer für die Selbstbestimmung von Frauen* einzutreten. Die Entwicklung sinnvoller Gegenstrategien braucht eine gründliche Analyse der Akteure des Antifeminismus und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die diese hervorbringen. Hierzu will die Veranstaltungsreihe einen Beitrag leisten wie auch in der gemeinsamen Diskussion Perspektiven für eine praktische Kritik der Verhältnisse entwickeln.
Mitveranstalter ist der Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern e.V., Kooperationspartner der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

+++UPDATE: Die Veranstaltung „Antisemitismus in feministischen Kontexten – Vortrag von Merle Stöver“ muss verschoben werden. Sobald ein fester Nachholtermin vorhanden ist, wie dies auf unserer Website, sowie unserer Facebookseite zu lesen sein.+++

25.4., 19:30 Uhr: Born in Flames – Film + Diskussion mit Dr. Katharina Gerund (Amerikanistik – FAU Erlangen-Nürnberg) im Casablanca Filmkunsttheater

BORN IN FLAMES spielt in der Zukunft — zehn Jahre nach einer sozialistischen Revolution in den USA. Auch in diesem alternativen Amerika hat sich für Frauen nichts geändert: Unterdrückung, alltägliche Diskriminierung, sexuelle Übergriffe, Doppelbelastung — den Frauen reicht es. Sie verbünden sich quer zu sozialen, ethnischen, kulturellen oder sexuellen Identitäten und nehmen den Kampf auf. Der Film stellt die Frage, ob die Unterdrückung der Frauen jemals, in einem irgendwie gearteten sozialen System, ein Ende finden wird. Die Antwort ist eindeutig: die Frauen greifen zu den Waffen…
Lizzy Bordens einflußreicher Film von 1983 ist Dokument und Utopie zugleich. Ausgehend von der feministischen Bewegung der 1970er Jahre, wagt er einen Ausblick auf die Zukunft (also auch unsere heutige Gegenwart) und stellt zeitlose Fragen nach Machtverhältnissen und weiblicher Solidarität. Ein Film von provokativer, mitreißender Energie. Unter den Schauspielerinnen finden sich u. a. mit Adele Bertei („Susan… verzweifelt gesucht“) und der späteren ersten weiblichen Regie-Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow („Strange Days“, „Zero Dark Thirty“) außerdem einige bekannte Gesichter am Beginn ihrer Filmkarriere wieder.

23.5., 20 Uhr: Selbstbestimmung als Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung – Vortrag von Kirsten Achtelik im Zentralcafé im K4

Sollen Feministinnen jede Art von Abtreibung verteidigen? Können diesbezügliche Entscheidungen überhaupt selbstbestimmt getroffen werden? Welches Wissen entsteht durch pränatale Untersuchungen? Dienen sie der Vorsorge oder sind sie behindertenfeindlich? Der Vortrag lotet das Spannungsfeld zwischen den emanzipatorischen und systemerhaltenden Potenzialen des feministischen Konzepts der Selbstbestimmung in Bezug auf Abtreibung aus und nimmt Bezug auf aktuelle Debatten um reproduktive Rechte, die mit den zunehmenden Aktivitäten von »Lebensschützern« wieder aufflammen. Zugleich geht es darum, die Gemeinsamkeiten und Konflikte der Frauen- und der Behindertenbewegung sowie die inhaltlichen Differenzen zwischen Frauen mit und ohne Behinderung deutlich zu machen. Und um die dringend zu klärende Frage, wie ein nicht-selektives und nicht-individualisiertes Konzept von Selbstbestimmung gedacht und umgesetzt werden kann.
Kirsten Achtelik ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind u.a. feministische Theorien und Bewegungen, Schnittstellen mit andern sozialen Bewegungen v.a. der Behindertenbewegung und Kritik der Gen- und Reproduktionstechnologien.

29.5, 20 Uhr: »Deutschland treibt sich ab«. Organisierter ›Lebensschutz‹, christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus – Vortrag von Eike Sanders im Projekt 31

Der christliche Antifeminismus und die expliziten Anti-Abtreibungsorganisationen drängen mit ihren Kampagnen in die Öffentlichkeit. Dabei können sie sich auf gesellschaftliche Diskurse berufen, die auch von anderen Gruppen bestimmt werden: Das rechtskonservative bis neurechte Spektrum von den „Christdemokraten für das Leben“ bis zur extrem rechten Zeitung „Junge Freiheit“ sehen die Demografiepolitik und eine Restauration konservativer Werte und Familienbilder als ihr Agitationsfeld. Das religiöse Spektrum verteidigt eine vermeintlich natürliche, gottgewollte „christliche“ Ordnung. Der Antifeminismus formiert sich im Kampf gegen Gender Mainstreaming und reproduktive und sexuelle Rechte. In der Veranstaltung wollen wir nicht einzelne Neonazis in den Spektren herauspicken, sondern das antidemokratische Potenzial der Argumentationen herausarbeiten: Die Befürwortung eines homogenen Staatsvolkes, das biologistische Menschenbild, Antikommunismus, Antifeminismus und den Angriff auf die 68er-Bewegung mit all seinen normierenden, ausschließenden und antiemanzipativen Forderungen.
Eike Sanders ist Mitarbeiterin des antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum in Berlin (apabiz e.V.). Sie ist Mitautorin der Bücher Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der »Lebensschutz«-Bewegung (2018) und »Deutschland treibt sich ab«. Organisierter ›Lebensschutz‹, christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus (2014).

14.6., 20 Uhr: Rape Culture – Vortrag von the future is unwritten im Stadtteilzentrum Desi

“Rape Culture” thematisiert sexualisierte Gewalt als ein strukturelles Problem der Gesellschaft, in der wir leben. Im Fokus der Untersuchung stehen v.a. Europa und die USA. Außerdem beschäftigt sich der Vortrag explizit mit dem Phänomen männlicher Gewalt gegen Frauen*. Mit dem Begriff Vergewaltigungskultur soll deutlich gemacht werden, dass es in der Gesellschaft inhärente Strukturen gibt, die Vergewaltigungen verharmlosen, vertuschen und damit dazu beitragen, dass sie weiterhin und in solch großer Zahl stattfinden. Durch die Untersuchung von gesellschaftlichen Mechanismen wie Tabuisierung von Übergriffen, Street Harassment, Objektivierung von Frauen, Täter-Opfer-Umkehr, und den an Frauen gelegten Doppelstandard, soll aufgezeigt werden, dass sexualisierte Gewalt kein Einzelfall ist, sondern strukturell in unserer patriarchalen Gesellschaft verankert ist. Der Vortrag im Ganzen hat einen einführenden Charakter. Zum Ende werden verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie wir dieser Gesellschaft entgegentreten können. Obwohl der Vortrag sich mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzt, soll er empowernd wirken. Er soll für das Problem sensibilisieren und dazu beitragen, dass Frauen*, aus ihrer Ohnmacht treten und anfangen organisiert gegen den sexistischen Normalzustand vorzugehen.
the future is unwritten ist eine linksradikale Gruppe aus Leipzig und organisiert in …ums Ganze!

Antisemitismus in feministischen Kontexten – Vortrag von Merle Stöver im Projekt 31

Feminismus stellt eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar und muss immer Teil einer Gesellschaftsanalyse- und Kritik sein. Doch mit Blick auf gesellschaftliche Missstände sehen wir das Fortleben antisemitischer Ideologie, die weder vor linken Kontexten noch vor feministischen Gruppierungen und ihren Gesellschaftstheorien Halt macht. Daher gilt es, die Frage, ob es unter Feminist*innen bzw. im Feminismus Antisemitismus gibt, näher zu untersuchen. Dafür soll sowohl ein historischer Abriss der deutschen Frauen*bewegungen bzw. der feministischen Debatten gegeben werden, es wird der Blick auf aktuelle feministische „Ikonen“ und neue feministische Bündnisse und Theorien gelenkt um anschließend die Frage zu besprechen, ob es Parallelen und strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen antisemitischer Ideologie und feministischen Theorien gibt.

7.7., 14 Uhr: #bodypositivity und Instagram — Workshop von Carmen Westermeier im Selbstverwalteten Zentrum Wiesengrund/ Erlangen

Instagram hat Facebook längst überholt – gestylte Blogger_innen haben die Plattform fest im Griff und Werbung grinst uns ungewollt ins Gesicht. Mit Hashtags arbeiten viele User_innen für mehr Klicks. #bodypositivity ist einer davon. Carmen Westermeier machte sich mit einer kleinen Umfrage auf die Suche nach Gründen und Motivationen der Hashtag-Verwenderinnen und versucht in dem Vortrag einen Überblick zu geben. Eigene Ansichten und Wirkungen des bodypositivity-Phänomens werden mit Erfahrungen anderer Instagrammer_innen verglichen. Ein positiv und doch kritischer Overview.

13.9., 20 Uhr: Das Patriarchat ist tot, es lebe das Patriarchat?! Ein Plädoyer für die Anliegen des klassischen Feminismus – Vortrag von Koschka Linkerhand im Stadtteilzentrum Desi

Dass die Rede vom Patriarchat gegenstandslos geworden sei, ist eine gängige Diagnose von gesellschaftskritischer und auch genderbewegter Seite, die angesichts der mittlerweile umfassenden Gleichstellung der Frau in der westlichen Hemisphäre auf der Hand zu liegen scheint: Frauen seien berufstätig und selbstbestimmt, ihre Lebensrealitäten zeichneten sich durch eine ungemeine Vielfalt aus und das Kapital mache sowieso alle gleich.
Die Frau als politisches Subjekt gilt zunehmend als Anachronismus und wird entweder dem Heer neoliberaler Arbeitskraftbehälter subsumiert oder, mit identitätspolitischem Fokus, zu FrauenLesbenTrans* etc. erweitert.
Doch nach wie vor ist das Zweigeschlechtersystem ein nicht wegzudenkendes Strukturprinzip der Gesellschaft: Menschen werden wie eh und je in Männer und Frauen unterteilt und zu solchen sozialisiert. Das Patriarchat als Analysekategorie vor allem der Zweiten Frauenbewegung bezeichnet die Herrschaft von Männern bzw. – unter den Vorzeichen der abstrakten Wertvergesellschaftung – eines männlichen Prinzips, wie sie innerster Bestandteil nicht nur der abendländischen Kultur ist.
Sollte dieses Geschlechterverhältnis heutzutage, neuerer linker Theorie gemäß, nicht mehr herrschaftlich verfasst sein? Fördert die Leugnung eines patriarchalen Gefälles in der Gesellschaft nicht letztlich das ungebrochene Fortwirken der patriarchalen Ideologie – wirft es nicht vor allem Frauen mit ihrer Vielzahl an geschlechterspezifischen Problemen, die sie ihrer Sozialisation verdanken, in die Vereinzelung zurück, wenn wir aufhören, die Besonderheiten weiblicher Subjektbildung zu analysieren und zu kritisieren?
Mehr: http://linkerhand.blogsport.eu

NSU-Prozess? Kein Schlussstrich!

Zugtreffpunkte nach München zur Demonstration zum Tag der Urteilsverkündung im NSU-Prozess:

• Nürnberg – 14:30 Uhr, Mittelhalle Nürnberg Hauptbahnhof am Infopoint
• Erlangen – 13:45 Uhr, Bahnhof

Das Ende des NSU-Prozesses ist nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich machte. Unter dem Motto “Kein Schlussstrich” mobilisiert das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus für den Tag X – dem Tag, an dem das Urteil verkündet wird – vor das Oberlandesgericht. Fahrt mit uns zur Demonstration nach München!

• Aktuelle Infos & den Aufruf findet ihr hier
• Eine Übersicht über einige der dezentralen Aktionen am Tag X hier