Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Gedenken an Enver Şimşek

09.09.2018 | 15:30 | Parkbucht in der Liegnitzer Straße

14:45 | Nelson-Mandela-Platz | Treffpunkt für die gemeinsame Anreise mit dem Fahrrad

Alternativ fährt um 14:53 der Stadtbus 59 von Langwasser Süd zur Oelser Str., von dort sind es nur wenige Meter in Fahrtrichtung die Straße zurück zum Tatort

Hiç unutmadık! Niemand wird vergessen!

Enver Şimşek wurde am 9. September 2000 an seinem mobilen Blumenstand in der Liegnitzer Straße regelrecht hingerichtet. Schwerstverletzt verstarb er zwei Tage später im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Der Inhaber eines Blumengroßhandels war das erste Mordopfer des Terrornetzwerks „Nationalsozialistischer Untergrund“. Nach Enver Şimşek fielen Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat dem Rassismus des NSU zum Opfer sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter. Die rassistischen Bombenanschläge in der Gaststätte Sonnenschein in Nürnberg sowie in der Probsteigasse und auf die Keupstraße in Köln überlebten mindestens 25 weitere Menschen nur aufgrund großer Zufälle und mit zum Teil schweren Verletzungen.

Die gesellschaftliche Verantwortung für den NSU ergibt sich zum einen aus dem rassistischen Klima der 1990er-Jahre, das den Nährboden für das Entstehen militanter Neonazi-Netzwerke bildete. Zum anderen aus der rassistischen Ignoranz der deutschen Mehrheitsgesellschaft, die den eliminatorischen Rassismus des NSU begleitete. Während das Umfeld der Ermordeten früh ein rassistisches Motiv vermutete – Adile Şimşek, die Frau des Ermordeten, riet den ermittelnden Polizeibeamten dreimal „Ermittelt gegen Nazis“ –, raunten Ermittlungsbehörden, Politik, Medien und Öffentlichkeit unisono von der „Türken-Mafia“ und den „Döner-Morden“. In Täter-Opfer-Umkehr wurden die Hinterbliebenen polizeilich drangsaliert. Beispielsweise wurden Enver Şimşeks trauernder Witwe Fotos einer blonden Frau vorgelegt, mit der ihr Mann angeblich ebenfalls zwei Kinder gehabt hätte, die vierzehn Jahre alte Tochter wurde zuerst verhört, bevor sie zu ihrem sterbenden Vater gelassen wurde, die Telefone der Familie überwacht, das Auto verwanzt.

Die staatliche Verstrickung gipfelt im Agieren der deutschen Inlandsgeheimdienste: Das direkte Umfeld des NSU war mit Informanten durchsetzt, ein Verfassungsschutzmitarbeiter war beim Mord an Halit Yozgat in Kassel anwesend und nach der Selbstenttarnung im November 2011 wurden gezielt Akten vernichtet, ohne dass dies nennenswerte Konsequenzen gehabt hätte. Das dadurch schon diskreditierte Aufklärungsversprechen des deutschen Staates ist mit dem skandalösen Urteil im NSU-Prozess in München endgültig gebrochen.

Solange die Aufklärung und Auflösung des NSU-Komplexes aussteht sowie die gesellschaftlichen Bedingungen für rassistischen Terror fortbestehen, bleiben die Orte, an denen der NSU mordete und bombte, offene Wunden.
Wir rufen deshalb dazu auf, Enver Şimşek auch am 9. September 2018 wieder an der Parkbucht in der Liegnitzer Straße zu gedenken, wo ihm das Leben genommen wurde.

Build Bridges not Walls!

Build Bridges not Walls! – Unter diesem Motto beginnt am 25. August eine europaweite Protestwoche. Zum Auftakt gibt es eine Seebrücken-Demo in München.

Die massive Zunahme der Ertrunkenen im Mittelmeer ist unmittelbares Resultat einer rassistischen und migrationsfeindlichen Politik, wie sie in ganz Europa von Politiker_innen wie Orbán, Kurz, Salvini oder – in Deutschland – Seehofer und der CSU vorangetrieben wird. Doch nicht nur an den Grenzen, auch innerhalb Europas verschärfen sich das politische Klima und die Lebensbedingungen für Millionen Menschen, z.B. durch permanente Verschärfungen in der Asyl- und Sicherheitspolitik. In Bayern zeigt sich dies an der Schaffung einer eigenen Grenzpolizei wie einer eigenen Abschiebebehörde oder aber auch an der Einführung des extrem repressiven neuen Polizeiaufgabengesetz. Diese menschenverachtende Politik inszeniert sich als Stimme der Vernunft und als Vollstreckerin des „Volkswillens“. Doch die breiten Proteste gegen den Rechtsruck in den letzten Wochen haben gezeigt, dass Zehntausende für eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gehen.

Beteiligt euch an den Protesten für eine Seebrücke und gegen die mörderische Grenzpolitik und zeigt Solidarität mit geflüchteten Menschen. Arbeiten wir gemeinsam daran, daraus eine breite Bewegung zu formen und eine grundlegend andere Politik durchzusetzen.
Seebrücke statt Festung Europa!

Kommt am Samstag um 14 Uhr zum Europaplatz zwischen Friedensengel und Prinzregentenplatz.

Aktionsrückblick Seebrücke – Schafft sichere Häfen!

Um gegen die aktuelle Politik der europäischen Union zu protestieren, die Seenotrettung im Mittelmeer aktuell verunmöglicht, fanden während des Nürnberger Bardentreffens und des Brückenfestivals Aktionen im Rahmen der Bewegung SEEBRÜCKE statt. Während des Bardentreffens wurden Puppen mit Warnwesten auf der Pegnitz durch die Nürnberger Altstadt treiben gelassen und an der Heubrücke ein Transparent mit der Aufschrift „Seebrücke statt Seehofer“ angebracht. Außerdem wurden Flugblätter verteilt. Am Brückenfestival wurde gegenüber der Bühne ein 12 Meter langes Transparent mit der Aufschrift :“Seenotrettung ist kein Verbrechen“ angebracht und während des laufenden Festivalbetriebes Seebrücken-Konfetti von der Brücke geworfen.

Seenotrettung ist kein Verbrechen! from Schweigen durchbrechen on Vimeo.

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Seebrücke statt Festung Europa


Im Rahmen des Day Orange von Seebrücke – Schafft sichere Häfen! finden am 4. August bundesweit Demonstrationen und Aktionen statt. In Nürnberg ruft die Interventionistische Linke zu einer Kundgebung auf.

••• Zieht euch orange an & kommt am 04.08. um 15 Uhr zum Parkplatz Norikerstraße, direkt am Wöhrder See •••

Lasst uns Farbe bekennen: In Solidarität mit Flüchtenden & Seenotrettenden. Gegen die Festung Europa & ihre Fans.

Hier der Aufruf der NIKA-Kampagne für eine Beteiligung am bundesweiten Day Orange am 04.08.2018 und darüber hinaus:

In den vergangenen Wochen sind über 50.000 Menschen unter dem Motto “Seebrücke – schafft sichere Häfen” auf die Straße gegangen. Der Grund für die Demonstrationen in allen deutschen Groß- und den meisten Kleinstädten ist die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer: Seit Beginn des Jahres sind über 1000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Dass es nicht noch viel mehr waren, ist Schiffen wie der Sea Watch oder der Mission Lifeline zu verdanken, die nun festgesetzt und deren Besatzng kriminalisiert werden. Dabei ist die private Seenotrettung inzwischen der einzige Hoffnungsschimmer für die vor Armut und Verfolgung Geflohenen. Denn die maroden Schlepperboote bringen kaum jemanden sicher an die Küsten der EU. Wer Glück hat, wird von einem der Schiffe der NGOs vor dem Ertrinken gerettet und in den Hafen einer der südlichen EU-Staaten gebracht, um dort einen Asylantrag stellen zu können. Wer Pech hat, der ertrinkt oder wird von den EU-finanzierten Frontextschiffen den Folterbanden der lybischen Küstenwache zurückgegeben. (mehr…)

Kein Schlussstrich

Am 11. Juli gemeinsam mit dem Zug nach München zur Demonstration zur Urteilsverkündung im NSU-Prozess:

• Nürnberg – 14:30 Uhr, Mittelhalle Nürnberg Hauptbahnhof am Infopoint
• Erlangen – 13:45 Uhr, Bahnhof

Das Ende des NSU-Prozesses ist nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich machte. Unter dem Motto “Kein Schlussstrich” mobilisiert das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus für den Tag, an dem das Urteil verkündet wird, vor das Oberlandesgericht. Fahrt mit uns zur Demonstration nach München!

• Aktuelle Infos & den Aufruf findet ihr hier
• Eine Übersicht über einige der dezentralen Aktionen am Tag X hier