Irgendwo in Deutschland 2017

Als “Irgendwo in Deutschland” Bündnis werden wir dieses Jahr wieder zu drei Anlässen arbeiten.
• August: Bundesweite Aktionen & Veranstaltungen anlässlich des 25. Jahrestages des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen. Aufruf “Rassistische Kontinuitäten” online, bald auch gedruckt & das Programm folgt.
• 2. September, 15 Uhr: Antifaschistische Demonstration in Wurzen am “Tag der Sachsen”: “Das Land – rassistisch, Der Frieden – völkisch, Unser Bruch – unversöhnlich”. Aufruf, #Wurzen0209
• Herbst: NSU Prozessende. Anreise nach München zum Tag-X2. Zudem bundesweite Aktionen für alle, die nicht fahren können. Unseren Aufruf findet ihr hier: “Kein Ende in Sicht: Rassismus und der NSU-Komplex”, Aktionsliste, wenn es soweit ist.

Antifeminismus, halt´s Maul!

Am Montag, dem 10. Juli, findet in Fürth-Burgfarrnbach eine AfD-Veranstaltung mit der rechten Netzwerkerin Beatrix von Storch statt. Storch, die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD und Landesvorsitzende in Berlin ist, steht neben rassistischen Mausrutschern insbesondere für den Antifeminismus und die Homophobie der AfD. Sie wettert offen gegen die Macht der „Schwulen-Lobby“, Gender-Mainstreaming hält sie für „politische Geschlechtsumwandlung“.
Wir schließen uns den Protesten der Antifaschistischen Linken Fürth und des Fürther Bündnis gegen Rechts an, um deutlich zu machen, dass Nationalismus, Antifeminismus und Homophobie keine Alternativen sind.

Repariert eure Fahrräder und radelt mit!

16:15 Treffpunkt vor der Desi (Brückenstraße 23, Nürnberg)
17:00 Kurze Kundgebung an der Gedenktafel für
Benario & Goldmann (U-Bahn Stadthalle, Fürth, Uferpromenade)
anschließend Fahrraddemo nach Burgfarrnbach.
ab 18:00 Proteste gegen die AfD (Siegelsdorferstraße 19,
Fürth-Burgfarrnbach)

Gedenken an İsmail Yaşar und Abdurrahim Özüdoğru

Am 9. Juni 2005 wurde İsmail Yaşar im von ihm betriebenen „Scharrer Imbiss“ vom Nationalsozialistischen Untergrund brutal hingerichtet. Nur wenige Tage später wollte er Deutschland nach 27 Jahren Arbeit verlassen. Der rassistische Terror des NSU verhinderte dies.
Bereits am 13. Juni 2001 war Abdurrahim Özüdoğru in seiner Änderungsschneiderei den rassistischen Mördern zum Opfer gefallen. Er lebte schon fast 30 Jahre in Deutschland und arbeitete hauptberuflich als Metallfacharbeiter.

Wir rufen dazu auf, den beiden Ermordeten an den Tatorten zu gedenken.

Niemand wird vergessen! Hiç unutmadık!

9.6. | 9:45 Uhr | Scharrerstraße

13.6. | 16:15 Uhr | Ecke Siemens-/Gyulaer Straße

Rassismus tötet! Rasizm öldürüyor!

NSU-Komplex auflösen! NSU Kompleksi Çözülsün!

Die Ignoranz der NZ und der NN ist Rassismus

Vom 17. bis zum 21. Mai fand in Köln das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ statt. Das Tribunal begriff sich selbst als Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus. Im Mittelpunkt stand das Wissen der Betroffenen des NSU-Terrors. Im Deutschlandfunk war zu hören, dass im Schauspiel Köln „in einer immensen zivilgesellschaftlichen Anstrengung eine Lücke zwischen Realität und der Kapazität eines Gerichts“ geschlossen, eine „demokratische Gegenöffentlichkeit geschaffen“ wurde. Selbst die Bild-Zeitung und das Regensburger Regionalblatt Mittelbayerische Zeitung schafften es eine dpa-Meldung wiederzugeben, in der mit dem Aufhänger, dass das Tribunal die Mitverantwortung von Bundeskanzlerin Merkel benannt hatte, auf die Veranstaltung hingewiesen wurde. Ihr jedoch habt geschwiegen.

Ihr habt geschwiegen, obwohl drei der Morde und ein Bombenanschlag in Nürnberg verübt wurden. Ihr habt geschwiegen, obwohl die Ermittler, die in Täter-Opfer-Umkehr die Hinterbliebenen schikanierten und ihr Wissen um den rassistischen Tathintergrund ignorierten, nicht zuletzt der Kriminaldirektion Nürnberg und dem Polizeipräsidium Mittelfranken angehörten. Ihr habt geschwiegen, obwohl das Unwort „Döner-Morde“ am 31. August 2005 von der Nürnberger Zeitung erfunden wurde.

Das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ hat bewusst kein Urteil gefällt, sondern der Gesellschaft eine Anklage übergeben. Diese Anklage schreiben wir als antifaschistische initiative [das schweigen durchbrechen] und Teil des bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“ fort. Die mediale Dethematisierung rassistischer Tatmotive und die Diffamierung der Betroffenen ist ein eigenes Kapitel dieser Anklage. Dort steht ihr richtig. Denn ihr habt nicht nur während der NSU mordete und bombte die Täter-Opfer-Umkehr und die öffentliche Stigmatisierung und Marginalisierung der Betroffenen besonders aktiv mitbetrieben, sondern tut es noch immer. Das Wissen der Betroffenen des NSU-Terrors wird von euch ignoriert. Schon 2013, als sich herausstellte, dass auf den Gedenktafeln in Dortmund und Nürnberg falsche Todesdaten eingraviert worden waren, habt ihr die Einschätzung der Tochter des ersten Mordopfers, Semiya Şimşek, es handle sich um eine Respektlosigkeit, nicht beachtet und den Fehler damit schön geredet, dass „sich alle so sehr auf den Inhalt konzentriert“ hätten. Durchweg scheitert ihr an der orthografisch richtigen Wiedergabe der Namen der in Nürnberg vom NSU ermordeten Menschen: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar. Ihr scheitert damit an genau der Realität einer Migrationsgesellschaft, die vom NSU angegriffen wurde. Während der NSU mordete und bombte hat eure Ignoranz den NSU-Komplex zum Wirken gebracht – jetzt steht sie einer vollständigen Aufklärung und Auflösung entgegen.

Auch wir mussten uns mit Blick auf die tausenden Menschen, die 2006 unter dem Motto „Kein 10. Opfer!“ in Kassel und Dortmund für eine Ende der Mordserie demonstrierten, fragen, warum wir nicht gesehen haben, was die Betroffenen des rassistischen Terrors gesehen haben, warum wir sie nicht gehört haben. Das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ hat sich gemeinsam mit ihnen auf den Weg in Richtung einer Gesellschaft ohne Rassismus gemacht. Ihr habt diesen Anfang verschwiegen. Euer Schweigen ist Rassismus. Wir klagen ihn an!

antifaschistische initiative [das schweigen durchbrechen] am 25.05.2017

Tribunal „NSU-Komplex auflösen“

Vom 17. bis zum 21. Mai wird in Köln das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ stattfinden. Das Tribunal ist ein Projekt des Aktionsbündnisses „NSU-Komplex auflösen“, ein Zusammenschluss bundesweiter Initiativen in Verbindung mit Betroffenen des NSU-Terrors.

Bis heute sind wir weit von der versprochenen „lückenlosen Aufklärung“ im NSU-Komplex entfernt. Initiativen und Einzelpersonen, die mit den Betroffenen der NSU-Mord- und Anschlagserie solidarisch verbunden sind, entwickelten die Idee eines Tribunals, das diese Leerstelle besetzt. Der NSU-Komplex wird dabei gedacht als ein Kristallisationspunkt strukturellen Rassismus. Das Tribunal ist damit ein Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus. Die Berichte der Betroffenen und Angehörigen stehen im Mittelpunkt. Ihre Geschichte gilt es zu hören und zu verstehen.

Die thematischen Schwerpunkte sind der NSU‐Komplex als Angriff auf etablierte Migrationsgeschichte(n), Strategien des migrantischen Widerstandes gegen die rassistischen Verhältnisse und Visionen ihrer Kämpfe sowie struktureller Rassismus in Behörden, Institutionen und Medien.
Das Hauptprogramm wird ergänzt durch Workshops, Theateraufführungen, Filmvorführungen, Hörstücke, Audio- und Videoinstallationen, performative Stadtführungen, Wandbilder, Musik und Tanz.

Mehr Informationen gibt es auf nsu-tribunal.de und im Antifa-Café am 13.05. im Projekt 31