Im Frühling 2014 gründeten wir uns als „Initiative zur Erinnerung an die Opfer rechten Terrors in Nürnberg“ mit dem Ziel, ein dauerhaftes Gedenken in Nürnberg zu etablieren. In Abgrenzung zum offiziellen Gedenken der Stadt Nürnberg vor den Toren der Altstadt brachten wir Gedenktafeln an den Orten an, an denen Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar vom Nationalsozialistischen Untergrund ermordet wurden. Seitdem veranstalten wir jährlich zu den Tatzeiten Kundgebungen und symbolische Strassenumbenennungen an den drei Tatorten, um gemeinsam mit anderen Antifaschist*Innen und Antirassist*Innen den Ermordeten zu gedenken. Anlässlich des dritten Jahrestages der Selbstenttarnung des NSU thematisierten wir vor dem Polizeipräsidium Mittelfranken mit einer audiovisuellen Installation das gesellschaftliche und staatliche Versagen im Umgang mit dem NSU Komplex. Gemeinsam mit unseren Genoss*Innen vom bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“ mobilisierten wir zum NSU Prozess, als dort die Verhandlung des Nagelbombenanschlags auf die Kölner Keupstraße begann. Anlässlich des 10. Jahrestages der Ermordung von İsmail Yaşar demonstrierten wir mit anderen Nazigegner*Innen durch die Nürnberger Süstadt. Mit nächtlichen Kunstaktionen forderten wir zum Jahrestag des Rohrbombenanschlages auf die Pilsbar „Sunshine“ die lückenlose Aufklärung der Mord- und Anschlagsserie des NSU.

Wichtig war uns dabei immer, die gesellschaftlichen Zustände, in denen der Nationalsozialistische Untergrund entstehen und morden konnte, zu benennen. Deren offensichtlicher Fortbestand veranlasste uns zur Beteiligung an einer Demonstration im mittelfränkischen Vorra, als dort ein Brandanschlag auf eine geplante Geflüchtetenunterkunft verübt wurde. Er ließ uns auch anlässlich des 15. Jahrestages des Beginns der NSU- Morde als Teil des Bündnis „Die rassistische Kontinuität durchbrechen“ mit der Demonstration „Gegen Deutschland und seine Nazis – wer aber vom Rassismus nicht reden will, sollte auch vom NSU schweigen“ eine antifaschistische Praxis fordern, die sich gegen die Kontinuität der Elemente des Nationalsozialismus richtet.

In Zeiten, in denen ungezählte Menschen vor Weltordnungskriegen und dem alltäglichen Elend des kapitalistischen Normalzustands fliehen, die Festung Europa expandiert und ihre Mauern höher zieht, das Ressentiment europaweit zur Massenbewegung wird, eine große Koalition aus politischer Klasse, Medien und Bevölkerung für die kontinuierliche Verschärfung des Asylrechts eintritt und Angriffe auf Geflüchtete, ihre Unterkünfte und Unterstützer*Innen zum Alltag in Kaltland geworden sind, liegt es an uns dieses antifaschistische Plädoyer in einer emanzipatorischen politischen Praxis umzusetzen.

Dies wollen wir von nun an als „Antifaschistische Initiative“ tun. Dabei wollen wir weder das aktive Gedenken an die Ermordeten des NSU und die Forderung nach einer Auflösung des NSU-Komplexes vernachlässigen, noch zu virulenten antirassistischen, feministischen und anderen sozialen Auseinandersetzungen schweigen. Als radikale, antiautoritäre Linke wollen wir Autorität als Mittel unserer Politik auf diejenigen beschränken, bei denen die Würfel bereits gefallen sind, indem sie auf das patriarchale, rassistische, antisemitische oder antiziganistische Ticket setzen. Der ganzen alten Scheiße wollen wir nicht alleine, sondern undogmatisch vernetzt entgegentreten.

antifaschistische initiative [das schweigen durchbrechen]